Crowdfundings zum GRT – 1w6, Zettel-RPG

Wir setzen unsere Reihe mit den Crowdfunding-Erfahrungen von Arne Babenhauserheide fort, der schon mehrfach Druckkosten für seine Beiträge zum GRT durch Community-Unterstützung finanzieren konnte. Auch er hat diese Projekte in seinem Blog dokumentiert; für unsere Umfrage erzählt er von seinen Eindrücken und Gedanken dazu:

 – Was war euer GRT-Projekt, das ihr über Crowdfunding finanziert habt?

Das erste waren 2013 die Flyerbücher:

2015 war es dann das Zettel-RPG, ein Minimal-Einstieg ins Rollenspiel für das Spiel mit Kindern:

Durch einen Gutschein von der Druckerei wegen Problemen beim Druck bestimmter Bilder haben wir mit Zustimmung der Unterstützenden 2016 noch einen Drucklauf einer überarbeiteten Fassung gemacht: Jetzt mit magischen Gegenständen (auf Anregung von Mathias und Frede).

 – Wie sah eure Kalkulation aus? Welche Kostenpunkte gab es? Was habt ihr nicht eingerechnet? (Z.B. Lohn für eure eigene Arbeitszeit…?)

Als Kostenpunkte gab es nur die Druckkosten und den Versand zu uns. Versand zur GRT-Orga haben wir ignoriert, Arbeitszeit auch.

 – Welche Art von Crowdfunding habt ihr genutzt? (startnext, einfacher Aufruf über Forum oder Blog…)

  •  2012 ein selbstorganisierter Aufruf auf unserer Webseite.
  •  2015 startnext.

– Gab es Dinge, mit denen ihr anfangs nicht gerechnet habt?

Die bürokratischen Hürden sind bei Startnext als Neu-Crowdfunder ganz schön hoch. Wenn man eine Deadline hat, hilft es nicht, erst bei der Bank Bestätigungen einholen zu müssen — auch wenn mir das als Finanzierer selbst Sicherheit gibt. Rechnet auf jeden Fall mit mindestens 4 Wochen Puffer — zusätzlich zu den 30% Puffer, die ihr sowieso haben solltet, um unvorhersehbare Verzögerungen abzufangen.

– Welche Vorbereitungen hattet ihr getroffen? Wieviel Vorarbeit war nötig, und wieviel Zeit hat das Crowdfunding im engeren Sinne gekostet?

  • 2012 hat es vermutlich drei Tage gekostet.
  • 2015 würde ich eher mit einer Woche Vollzeit rechnen, auf 2 Monate verteilt.

– Wie lief das Crowdfunding? Wieviel Leute und welche Summe habt ihr erreicht? Gab es Probleme, Überraschungen? Hat das Geld gereicht?

  • 2012: 200€ binnen 4 Tagen von 10 Freunden.
  • 2015: 521€ von 20 Unterstützenden, zur Hälfte vorher Unbekannte.

In beiden Fällen hat das Geld gut gereicht. Wir hätten noch mehr nutzen können, 2012 für höhere Qualität, 2015 für mehr Hefte pro GRT-Paket, aber es war genug, um toll zu sein.

 – Wie ist euer Fazit? War es eine gute oder schlechte Erfahrung?

Die Erfahrung war toll! Von anderen für den Druck der eigenen Werke finanziert zu werden, ist eine andere Qualität, als zu hören, dass die Werke gut sind. Vergleichbar damit, dass Leute sie gezielt auf Cons verbreiten. Also handfeste, greifbare Unterstützung.

Das einzige, was noch darüber hinausgehen würde, ist die Finanzierung der wirklichen Produktion. Aber wenn ich da auch nur 10€ pro Stunde anrechnen würde, hätten wir gut das drei- bis vierfache gebraucht, mit voller Selbstständigen-Rechnung noch mehr. Dass das für den GRT bei unabhängigen (kleinen) Rollenspielautoren zusammenkommt, bezweifle ich.

Bei Verlagen könnte das schon anders aussehen — selbst wenn sie jemanden dafür einstellen und nur die Qualitätskontrolle machen (denn sonst geht jede Zeit, die für GRT-Produkte genutzt wird, von der Zeit für die Hauptprodukte ab).

– Was würdet ihr anderen empfehlen, die überlegen, einen Beitrag zum Gratisrollenspieltag über die Crowd zu finanzieren?

Wenn ihr mehr Geld braucht, als ihr binnen 10 Stunden verdient, ist es das klar wert — selbst dann, wenn die reine Zeit-Kosten-Rechnung nicht aufgeht. Das Gefühl, selbst nicht draufzulegen für das, was ihr produziert, ist es mehr als wert.

Wenn ihr die Zeit dafür habt, lohnt es sich selbst dann, wenn ihr nur kleine Beträge braucht. Denkt daran, dass ihr darüber auch Kontakt zu neuen Leuten bekommt, die sich freuen, ein spannendes Projekt unterstützen zu können. Ihr merkt, dass es Leute gibt, die auf einen Kaffe, einen Döner oder gar ein Abendessen verzichten, um euch zu unterstützen.

Wenn ihr weniger braucht und eure Zeit knapp ist, lohnt es sich eher, ein paar Freunde zu fragen, oder das Geld selbst vorzustrecken. Das habe ich z.B. 2017 bei Menschen würfeln gemacht, das weniger als 100€ für den Druck brauchte

In meinem Fall geht alle Zeit, die ich ins Crowdfunding stecke,¹ meiner Familie verloren, daher sollte das gesparte Geld die aufgewendete Zeit wert sein.

¹: also explizit ins Einwerben finanzieller Unterstützung.

Trotzdem überlege ich für 2018 wieder ein Zettel-RPG über Graswurzelfinanzierung zu drucken. Denn hier bringt zusätzliches Geld signifikanten Mehrwert: Genügend Hefte für alle, die zum GRT kommen. Einen Mehrwert, den wir nicht alleine finanzieren könnten. Und verlässlich zum GRT ein Zettel-RPG liefern zu können bedeutet, dass Leute Runden mit dem Zettel-RPG anbieten können. Was übrigens unbeschreiblich wundervoll ist!

Danke, Arne!

Weitere Crowdfunding-Berichte:
Crowdfundings zum GRT – Ludus Leonis: NIP’AJIN
Crowdfundings zum GRT – jcgames: SpacePirates
Crowdfundings zum GRT – PiHalbe: Visitenkartenrollenspiele

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